Illustrator/in mit Recht! Ein Interview mit Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs - Teil1

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Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs

LINIS: Wir freuen uns sehr, liebe Sabrina, dass du uns heut Rede und Antwort stehst. Vor allem möchten wir zuerst wissen: Wer bist du und wieso weißt du so viel über das Thema Urheberrecht? :)

 

Sabrina K.-H.:  Ich bin seit 9 Jahren Rechtsanwältin und habe von Anfang an ausschließlich Unternehmen beraten. Daher bin ich mit dem Urheberrecht schnell in Berührung gekommen und habe gesehen, welche große Rolle dieses Thema spielt. Sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt.

Im Laufe der Zeit merkte ich, dass ich aber meine eigene Art der Beratung durchführen wollte und habe mich dann entschieden, mich selbständig zu machen. So bin ich also mit meinem Laptop unterwegs und berate Start-Ups, Mompreneurs, Solopreneure und Unternehmen vor allem in den Bereichen Online Marketing Recht, AGB und Verträge.

 

 LINIS: Vielen Dank für deine Vorstellung! Ich habe im Vorfeld meine Community ermutigt, Fragen für unser Interview einzusenden. Es sind wirklich viele Fragen zusammen gekommen!

 


Sabrina K.-H.:  Zu Beginn möchte ich aber ganz kurz auf das Urheberrecht eingehen, mit den Grundzügen erklären sich Frage sehr viel leichter:

 

Urheberrechtsschutz erhält jede natürliche Person, die eine persönlich-geistige Schöpfung erbringt. 

Dann spricht man von einem Werk im Sinne des Urheberrechts, das können Filme, Malereien, Grafiken, Fotografien, aber auch Musikwerke sein. Auch der Titel von einem Werk (z.B. Buchtitel) kann geschützt sein.

 

Wichtig ist, dass das Urheberrecht in Deutschland nicht daran geknüpft ist, dass man dieses anmelden oder registrieren muss, es entsteht automatisch mit der persönlich-geistigen Schöpfung.  Der Urheber hat das ausschließliche Recht, sein Werk öffentlich auszustellen oder zu vervielfältigen.

 

Wenn jemand das Werk nutzen möchte, der nicht der Urheber ist, muss er sich die Erlaubnis beim Urheber einholen. Dann spricht man von sog. Nutzungsbedingungen oder einer Lizenzvereinbarung. Darin sollte dann genau bestimmt werden, welche Rechte der Nutzer in Bezug auf das bestimmte Werk hat. Urheber bleibt aber immer derjenige oder auch diejenigen (Miturheberschaft), der das Werk geschaffen hat/die das Werk geschaffen haben.

 

Setzt man sich darüber hinweg, drohen teure Abmahnungen und Schadensersatz. Denn der Urheber hat bei Verwendung seiner Werke einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung – das kann kostspielig werden.

 


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Schutz und Vervielfältigung sind ein spannendes Thema!

LINIS: Wenn Namen und Wortgruppen (wie z. B. LINIS) geschützt werden… Dürfen diese dann im Privaten dennoch auf z. B. Textilien verwendet werden?

 

Sabrina K.-H.: Hier geht um das Vervielfältigungsrecht. Eine rein private Nutzung ist grundsätzlich möglich. Bei einem Logo, welches man auf ein T-Shirt malt, kann es schon problematisch sein, wenn z.B. derjenige mit dem T-Shirt fotografiert wird und das Bild auf Facebook oder sonst im Internet auftaucht. Dann hätte der Markeninhaber möglicherweise bereits einen Grund zu einer Abmahnung - vorausgesetzt die Marke ist ordnungsgemäß eingetragen und auch die entsprechende Waren-Klasse (hier Textilien) geschützt wird.

 

LINIS: Wie schützt man am besten seine eigenen Arbeiten?

 

Sabrina K.-H.: Wenn man sich einen Namen für sein Unternehmen, seine Dienstleistung oder Produkt ausgesucht hat, sollte man dieses durch eine im Markenrecht spezialisierte Kanzlei (Stichwort: gewerblicher Rechtsschutz) bei dem Deutschen Marken und Patentamt (kurz: DPMA) eintragen lassen. Dann ist man Markeninhaber für 10 Jahre – es kann natürlich verlängert werden und ist geschützt vor Nachahmern (in derselben Branche). Hier ist das entscheidende, dass vorab eine sehr gute Recherche erfolgt, da es sein kann, dass der Name bereits von jemand anderem verwendet wird. Solche Kollisionen sollten natürlich bereits vor der Eintragung bekannt sein.

 

LINIS: Dürfen Markenprodukte für ein Buch (z. B. Bastelbuch) verwendet werden? Sollte man bei den entsprechenden Firmen vorher anfragen?

 

Sabrina K.-H.: Man sollte immer nachfragen, ob man Bilder, vor allem dann, wenn Sie bekannte Produkte abbilden, benutzen darf. Auch hier gilt wieder, das Kind beim Namen nennen und konkret für die geplante Nutzung anfragen. Und bei den Bildern dann auch den Urheber nennen. Auf die Nennung hat der Urheber einen gesetzlichen Anspruch, er darf auch bestimmen wie genau die Nennung zu erfolgen hat.


Dies war der erste Teil unseres Interviews - der Lesbarkeit halber haben wir unser Interview geteilt.
Der zweite Teil unseres Interviews folgt in Kürze! Dann geht es um unter anderem um Disney-Lizenzen und Referenzen.

Wir freuen uns, wenn ihr wieder reinlest!

Eure Sabrina Keese-Haufs und Alin von LINIS

Wünscht Ihr eine individuelle Beratung oder braucht Sabrinas Hilfe? Dann kontaktiert sie unter: sabrina.keese-haufs@k2-law.de oder kontaktiere sie via Facebook!

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