Illustrator/in mit Recht! Ein Interview mit Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs - Teil2

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Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs

Willkommen zu Teil 2 unserer Interviewreihe "Illustrator/in mit Recht!" Die Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs beantwortet auch heut wieder eure gestellten Fragen im Bezug auf Urheberrecht und Nutzungsrechte.

LINIS: Darf man Disneyfiguren im Privaten als Applikation oder Plotteraufdruck nutzen? Darf man das dann im Internet zeigen?

 

Sabrina K.-H.:  Im rein privaten Bereich darf man die Disney-Figuren nutzen. Z. B. man erstellt einen Rock mit dem Bild der Eiskönigin. Im Internet zeigen wäre wieder eine Veröffentlichung, die grundsätzlich  nur mit Erlaubnis gestattet ist. Es sei denn, das Produkt wird im rein privaten Bereich (abgeschlossene Freunde-Gruppe) gezeigt. Sobald aber der Kreis der Personen zu groß wird, wird es schwierig. Einen Zusammenhang mit dem eigenen Unternehmen (Nähen etc.) oder einer Werbung darf es in keinem Fall geben.

LINIS: Inwiefern kann ich als Designer für Urheberrechtsverstöße rückwirkend haftbar gemacht werden? (Bsp: Ein Logo wird für einen Kunden erstellt – und zwar nach bestem Wissen und Gewinnsen selbst gestaltet. Im Nachhinein stellt sich dann heraus, dass es eine ähnliche Illustration oder Logo schon gibt und dessen Urheber findet, dass mit dem neuen Kundenlogo sein Urheberrecht verletzt wurde. Ist man als Kreativer hier haftbar?)

 

Sabrina K.-H.: Dann hilft nur ein guter Vertrag – der z. B. auch bestimmen sollte, dass man als Designer von der Haftung freigestellt wird, wenn der Kunde z. B. Bildvorlagen zur Verfügung stellt. Zudem sollte man dann dokumentieren, wann man dem Kunden das Logo erstmals zur Verfügung gestellt hat und für welche Zwecke er dieses nutzen darf. Dann könnte man im Zweifel auch nachweisen, dass zufällig tatsächlich 2 Designer die gleiche Idee hatten.Grundsätzlich ist bei einer Abmahnung zu beachten: Nicht vorschnell die Unterlassungserklärung unterscheiben oder bereits etwas zahlen. Da aber kurze Fristen zu beachten sind, einen fachkundigen Rechtsanwalt aufsuchen, um eine erste Einschätzung zu erhalten.

 

 

 

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Schutz und Vervielfältigung sind ein spannendes Thema!

LINIS:

Jeder verwendet irgendwann einmal Referenzen (oder kannst du eine Giraffe aus dem Kopf zeichnen? ;) ) Darf in meiner Umsetzung der Vorlage wirklich nichts mehr auf den Ursprung schließen lassen oder ist es ok, wenn man Ähnlichkeiten erkennt?

 

 

Sabrina K.-H.: Das ist eine interessante aber auch schwierige Frage – grundsätzlich kann man sagen, je bekannter eine Marke ist, desto eher muss man auch bei Ähnlichkeiten aufpassen. Es sollte dann schon die eigene Kreativität erkennbar sein. Sobald eine Verwechselungsgefahr besteht- besteht auch hier die Gefahr einer Abmahnung.

LINIS: Wenn man Sprüche im Internet findet und nicht nachvollziehen kann, wer der Urheber ist... Kann man mich dann belangen, wenn ich diese grafisch neu umsetze und mit meinem Logo versehe?

 

Sabrina K.-H.: Ja in jedem Fall. Nur weil etwas bereits im Internet steht oder abgebildet ist und keinen Urheber erkennen lässt, gibt es diesen dennoch und es besteht wieder die Pflicht, die Erlaubnis zu haben und den Urheber zu benennen.

 

LINIS: Wenn ich z. B. Basteleien im Internet sehe - auf Pinterest o. ä. ... wie verhält es sich dann mit dem Urheberrecht, wenn ich diese nacharbeite? Wo ist da die Grenze?

 

Sabrina K.-H.: Bei Pinterest müsste man danach differenzieren, was privat reingestellt wurde und was mit einem geschäftlichen Hintergrund. Hat derjenige selbst ein Unternehmen, sollten die Ideen nicht kopiert werden. Wenn es nur Vorschläge aus dem privaten Bereich sind und man die Idee aufgreift, sehe ich kein Problem. Auch hier wieder: eine rein private Nutzung der Idee ist unkritisch - problematisch wird es immer dann, wenn es zum Vorteil der eigenen geschäftlichen Tätigkeit genutzt wird. Aber das geht ja sicher jedem von uns so, dass man derartiges verhindern möchte ;)

 

LINIS: Wann hört Urheberrecht auf?

Sabrina K.-H.: Das Urheberrecht erlischt grundsätzlich 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.


Sabrina K.-H.: Mein Rat: Es kommt auf den Einzelfall und die ganz konkreten Umstände in jedem Sachverhalt an. Empfehlenswert ist immer, eher zurückhaltend in der Verwendung zu sein, wenn man Bilder oder Ideen sieht, die einem gefallen. Am Sichersten ist es, selbst eigene Ideen, die natürlich auf Inspiration beruhen dürfen, zu entwickeln und diese dann auch schützen zu lassen.

 

Bei Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung.

sabrina.keese-haufs@k2-law.de

 


Ich bedanke mich herzlich bei Sabrina, die einige Finessen im Bereich Urheberrecht aufgezeigt hat und uns mehr Sicherheit in diesen Bereichen gibt.

Ich selbst kann sie als sehr kompetente und sympathische Rechtsanwältin empfehlen, die immer ein offenes Ohr hat und sehr motivierend ist! Falls ihr euch individuell beraten lassen wollt oder ihre Hilfe braucht, kontaktiert sie unter sabrina.keese-haufs@k2-law.de oder via Facebook!


Habt ihr noch mehr Fragen zum Urheberrecht? Dann schreibt mir! Ich erstelle gern noch eine 3. Interview-Episode!

Eure Alin

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